10. November 2016

Einweihung „Bunter Hof“ am 18.11.2016

Der „Bunte Hof“ in Osterwieck, ein ehemaliger Adelshof des 16. Jahrhunderts,  war durch jahrelangen Leerstand sehr stark geschädigt. Da es sich bei dem Objekt um ein hochwertiges, schützenswertes Einzeldenkmal handelt, war der Wunsch der Stadt Osterwieck, das Gebäude im Rahmen eines Modellprojektes mit dem Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg e. V. in eine nachhaltige Nutzung zu führen.

Die besondere Herausforderung dieses Modellprojektes bestand für das Fachwerkzentrum darin, die bislang erhalten gebliebene, besonders wertvolle historische Substanz und Ausstattung zu bewahren, zu restaurieren, energetisch zu ertüchtigen und eine verlässliche Nutzung zu definieren. Das erarbeitete Nutzungskonzept orientiert sich an den öffentlichen Belangen der Stadt und dem benachbarten Fallstein-Gymnasium. Eine Entlastung und Verbesserung der Schulsituation schaffen behindertengerechte Wohneinheiten im Bunten Hof. Die öffentlichen Belange der Stadt werden mit der Nutzung des ehemaligen „Rittersaales“ im 2. Obergeschoss als Veranstaltungs- und Schulungsraum und der Unterbringung der Leseräume der Schulbibliothek im 1. Obergeschoss integriert.

Die integrative Planung bildete ein wichtiger Arbeitsschritt in der Sanierung. So wurde für die Ertüchtigung des inneren konstruktiven Gefüges durch intensive Beratung und Austausch von Fachwissen, gemeinsam mit den Statikern, Prüfstatikern und beratenden Statikern ein der historisch wertvollen Substanz entsprechendes Aussteifungskonzept gegen angreifende Windlasten erarbeitet. So behielt der 21 Meter lange Rittersaal, lediglich mit hölzernen Bohlen in den Ständerachsen und zusätzlichen Kopfbändern zur Aussteifung in Querrichtung, sein ursprüngliches Erscheinungsbild. Zudem wurden im gesamten Gebäude nur ökologische und kapillar aktive Dämmstoffe – und damit bauverträgliche Dämmstoffe –  verwandt wie Wärmedämmlehmplatten oder Holzweichfaserplatten. Ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums ist nicht nur die energetische und Ressourcen schonenden Sanierung von historischen Bauten, sondern seit 15 Jahren werden die Modellprojekte auch als Bildungsauftrag in Seminaren durchgeführt. Ziel der international besetzten Seminare ist es, nicht nur Kulturgüter behutsam wieder instand zu setzen und handwerkliche Fähigkeiten zu lehren, sondern Menschen verschiedener Herkunftsländer und verschiedener Kulturen in die Gesellschaft auf Augenhöhe zu integrieren, Vorurteile abzubauen und einen interkulturellen Austausch zu beginnen. Seit Juni 2016 arbeiteten während der Seminare auch Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Iran, Benin und Guinea Bissau in den Seminaren mit an der Vollendung des Gebäudes.

Im Rahmen dieser internationalen Bildungsseminare waren junge Menschen aus 25 Ländern zu Gast. Unter dem Aspekt der Weitergabe traditioneller Handwerkstechniken wurden die Türen sowie die historischen Dielen unter Anleitung des Tischlermeisters und der Lehrlinge des Fachwerkzentrums instand gesetzt. Des Weiteren wurden die historischen Putze teilweise mit Inschriften und historischen Tapeten ertüchtigt. Als letzter Arbeitsschritt wurden die Türen mit Bierlasuren gestrichen und die auf den Türen und Bekrönungsfeldern freigelegten Malereien retuschiert – zum Vorschein traten unter jüngeren Ölanstrichen verborgen Lady Lucretia mit dem Dolch in der Hand, Samson, Wappen, und Harlekine, gemalt im 16. Jahrhundert . Das Modellprojekt wurde vom Land Sachsen-Anhalt, dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Lotto-Toto GmbH, der Commerzbank-Stiftung und der Murrmann Stiftung gefördert. Am 18.11.2016 um 11:00 Uhr wird der von Ludolf von Rössing 1582 erbaute Renaissancebau von dem Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt und dem Fachwerkzentrum an die Stadt Osterwieck offiziell übergeben. Der „Bunte Hof“ kann dann am 18.11.2016 von 13:00 bis 16:00 Uhr von jedermann besichtigt werden.

Weiterführende und detailierte Informationen erhalten Sie zudem unter: http://osterwieck-ebe.deutsches-fachwerkzentrum.de/